Kunst zwischen Nutella und Penatencreme

Noch bis zum 05.02.2012 ist im Kunstmuseum Bonn eine Ausstellung von Thomas Rentmeister zu sehen. Danach geht sie ins Perth Institute of Contemporary Arts. Bei einer Arbeit habe ich mich allerdings gefragt, wie sie unbeschadet in Australien ankommen soll.

In einem großen Raum hängen sich zwei ‚Bilder‘ gegenüber. Jeweils dreieinhalb Meter hoch und 12 Meter lang. Das eine braun, das andere beige. Als ich das erste Mal dort war, ging mir in meiner Naivität durch den Kopf, das muss doch Ölfarbe sein, so dick, wie das aufgetragen ist. Auf die Spur gebracht hat mich dann das eigentümliche olfaktorische Erlebnis. Gewissheit kam durch einen Blick auf die kleinen Texttafeln daneben: Das eine besteht aus Nutella, das andere aus Penatencreme. Einige hundert Kilo hat der Künstler da wohl verschmiert.

Quelle: WDR

Das eigentliche Kunst-Werk entspannt sich hier förmlich zwischen den ‚Bildkörpern‘ aus. Eigentlich zwischen den Augen, in der Nase, oder besser im Kopf. Der süßlich-klebrige Geruchsmix aus Nutella und Penaten, der einen penetrant-wohlig und fast gluckenhaft umfängt und ausfüllt und sich schunkelnd in rudimentäre Kindheitserinnerungen einhakt, scheint unter Umgehung der ‚Großhirnrinde‘ direkt irgendwo im ‚Limbischen‘ zu landen (was auch immer das sei). Jedenfalls habe ich schon nach wenigen Sekunden sanft angeekelt den Raum wieder verlassen: ‚Was gibt es noch zu sehen bei der Ausstellung… ?‘

Mich erinnert das an ein (für uns Erwachsene heute) ambivanentes Urphänomen, dem wir auch in psychologischen Studien immer häufiger begegnen, eine Reminiszenz an frühkindliche Zustände, als Ich und Welt noch eins waren. Dieses Urphänomen steckt paradoxerweise hinter so vielen vermeintlich technischen Errungenschaften der digitalen Welt – und nicht nur in den offensichtlich kindlichen Produkten.

Das Ganze wird im Museum zu einer ästhetischen Erfahrung – die ‚Bildkörper‘ sehen einfach schick aus in ihrer minimalistischen Überdimensioniertheit – und entbehren auch nicht einer ironischen Note der Kunstwelt gegenüber.

Darauf kommt man nicht nur, wenn man auch Rentmeisters Waschmaschinen im Kölner Skulpturenpark kennt, und die vermutlich nur deshalb nicht als Sperrmüll abtransportiert wurden, weil sie eben dort  standen. Ich erinnere mich, dass ich Monika damals gefragt hatte, was das denn nun mit Kunst zu tun habe. Schließlich war Thomas Rentmeister ja ihr Kommilitone an der Akademie. An ihre Antwort kann ich mich nicht mehr erinnern…

Egal. Die Ausstellung in Bonn läuft noch. Empfehlung. Hingehen. Kunstmuseum Bonn.

PS Die Waschmaschinen im Kölner Skulpturenpark sind inzwischen weg. Vielleicht hat sie ja doch noch jemand praktisch gebrauchen können?

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