Der Schluckauf Gottes

Jetzt ist es amtlich: Wir alle haben Masse. Nicht meiner Ernährungsweise oder dem Wetter ist es zuzuschreiben, dass ich mich vorhin so träge zum Kaffeautomaten geschleppt habe, sondern es ist ein unsichtbarer Äther, der an mir zerrt, das Higgs-Feld. Ich habe es immer vermutet.

An der (vermutlichen) Entdeckung des Higgs-Teilchens sind für mich aber gar nicht die physikalischen Implikationen interessant. Die versteht oder interessiert wahrscheinlich eh kaum jemand. Letztlich fügt es auch nur ein (letztes) mathematisches Puzzlesteinchen der gängigen Theorie der Teilchenphysik, dem sog. Standardmodell hinzu.

Auffällig ist für mich der Medienhype, der um die Entdeckung des „Gottesteilchen“ gerade gemacht wird. Der Name „Gottesteilchen“ wird dafür nicht unerheblich mit verantwortlich sein. Es suggeriert, dass man nun endlich den Ursprung der Schöpfung, den letzten Baustein eines göttlichen Plans entdeckt habe. Hat man aber nicht.

Der Name hat einen ganz anderen Ursprung:  1993 wollte der Nobelpreisträger Leon Ledermann sein Buch „Das gottverdammte Teilchen“ (The God Damn Particle“) nennen, weil eben das Higgs-Teilchen so verdammt schwer zu finden aber notwendig für die Schlüssigkeit des Standardmodell ist. Das war dem Verlag aber offenbar zu lang, oder zu langweilig, und strich kurzerhand das „Damn“, und es blieb „The God Particle“ übrig.

Auch mal wieder ein schönes Beispiel für die Macht von Bildern, manchmal reichen dafür der Zufall und ein paar wenige Worte. Mit der Kraft unterirdisch moderner Technik (CERN) haben die Menschen ein überirdisches „Teilchen Gottes“ dingfest gemacht, den HICKS des Schöpfers höchstselbst. Halleluja.

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