Spyvacy

Im Zuge der aktuellen Enthüllungen und Diskussion zum Thema Datenspionage und privacy, fiel mir ein, dass ich vor ca. 7 Jahren einen Science Fiction Roman geschrieben habe, in dem das ständige Ausspähen von privaten Daten und Bewegungsprofilen normal geworden ist. Die Menschen haben sich jedoch auf ihre Weise Wege geschaffen, das lückenlose Überwachungssystem auszutricksen, zumindest glauben sie, es sei ein erfolgversprechender Weg. Ein kurzer Auszug aus dem Roman gibt einen kleinen Einblick.

Kurze Einordnung des Auszugs in die Gesamthandlung:

Staaten spielen im Jahre 2030 (vielleicht sollte ich es auf 2013 umdatieren) keine so große Rolle mehr. Es kommt darauf an, bei welchem Konzern man tätig ist. So sind es auch die Konzerne, die jeden Schritt ihrer Mitarbeiter registrieren und im datenbankgesteuertem Profil-Szenario nach dem Grad verdächtiger Abweichung vom Normalverhalten überprüfen lassen. Der einzige Weg, sich für die Auswertung des Profil-Szenarios unberechenbar zu machen, ist der ständige Wechsel seiner Gewohnheiten. Macht man sich immer neue Verhaltens-Macken zu Eigen, sodass für das Profil-Szenario kein durchgängiges Verhaltensmuster mehr erkennbar ist, werden Abweichungen als unauffälliges Normalverhalten bewertet, so zumindest das Gerücht …

Auszug:

„… Seit ca. zwei Wochen war eine Algenepidemie ausgebrochen. Die Kantinenmaterial-Wirtschaftsstelle hatte mindestens die dreifache Menge an getrockneten Algen, die man sich als Gewürz über jedes Essen streuen konnte, nachbestellen müssen, weil der Verbrauch extrem gestiegen war. Nicht jeder war in der Erfindung neuer Verhaltens-Macken, zur Verwirrung des Profil-Szenarios, gleich kreativ und so kam es in der Regel, dass irgendwo so ein Skurrilitäts-Trend heran wuchs und sobald er sich deutlich genug abzeichnete, die anderen auf den Zug aufsprangen. Letzten Winter gab es fast bis ins Frühjahr hinein den Trend, die ganze Zeit seinen Mantel anzubehalten, ausgelöst durch einen einzigen kurzen Ausfall der Heizung. Der aber wohl längste und legendärste Trend war das „Kommunikationssyndrom“. Ursache war hier ein ausschweifender Newsletter des Wissensmanagements an die Gesamtbelegschaft gewesen, der die Wichtigkeit des kommunikativen Austauschs der Mitarbeiter hervorhob. Das führte dazu, dass man sich zunehmend, von einem plötzlichen Mitteilungsbedürfnis ergriffen, an den Arbeitsplatz eines wahllos gewählten Kollegen begab, um mit ihm ausschweifend über fachbezogene Banalitäten zu diskutieren. In der Kantine wechselte man alle fünf Minuten seinen Platz, um sich einer anderen Tischgemeinschaft anzuschließen und Fachsimpel-Smalltalk zu halten. Nach einem Monat hatte sich dieser Trend so ausgeweitet, dass das Wissensmanagement einen weiteren Newsletter heraus brachte, der den Zweck verfolgte, die Kommunikationswut wieder einzudämmen. Da sie sich aber nicht selber vollkommen widersprechen konnten, war der Newsletter so vorsichtig formuliert, dass die Mitarbeiter wortlos miteinander vereinbarten, seine Bedeutung nicht verstanden zu haben. Nur, weil es auf Dauer einfach viel zu nervtötend war, legte sich dieses Syndrom ca. nach einem halben Jahr wieder.
Die ansteckende Fahrstuhlphobie hatte nur ein paar Wochen angehalten. Manchmal waren diese Verhaltens-Macken-Syndrome einfach schlecht durchdacht, falls sie überhaupt irgendjemand bewusst plante. Die Neuronic-Türme hatten jeweils 37 Stockwerke überirdisch und noch einmal 9 unterirdisch. Da waren Fahrstühle nicht die dümmste Einrichtung, auch wenn es der Gesundheit sicher zuträglich war, die Treppen zu benutzen. Die Algenepidemie hatte hingegen gute Chancen auf Langfristigkeit, denn die dunkelgrünen Fäden schmeckten so gut wie nach gar nichts, waren gesund und es machte keinen Aufwand. Nachdem ich die Hälfte des Gemüseeintopfs vertilgt hatte, ging ich noch einmal zum Ausgabeband und legte eine ordentliche Portion Algen nach …“

Der ganze Roman zum Download
(Wer Fehler findet, darf sie – wie immer – behalten. Ich verspreche eine reiche Ausbeute!)

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