Schleim und Fischabfälle

Ein spontaner Gedanke zum Fernsehabend…

Donnerstag, 22:38, ich sehe gerade das Dschungelcamp. Fiona weiss nicht mal, wer Sean Connery ist, gut, dann muss sie halt in „Schleim und Fischabfällen“ baden.

Schrecklich, ekelig, fies. Ein moderner Gladiatorenkampf. Menschen werden an den Pranger gestellt wie im Mittelalter, müssen Würmer und Kakerlaken essen, und sind der Gunst des Pöbels (dem Fernsehpublikum) ausgeliefert. Was sind das überhaupt für Vögel, die uns da Abend für Abend mit ihren nicht weniger schleimigen Ergüssen beglücken. Z-Promis? Oder braucht man schon Sonderzeichen? $-Promis, #-Promis? Nun gut, Individuen, die sich anschicken, Privilegierte unserer Gesellschaft zu sein, aber nichts als Stuss und Lästerei von sich geben, gehören schließlich bestraft und öffentlich gedemütigt. Auch die Moderatoren beherrschen ihre Rolle des öffentlichen Anklägers und sind an Zynismus und Häme bis unter die Gürtellinie kaum zu überbieten. Unterste intellektuelle wie moralische Schublade, befriedigt unsere niedersten sadistischen Bedürfnisse – sagen sogar ernsthafte Psychologen (was in aller Welt sind ernsthafte Psychologen?). Pfui. Bäh. Muss man sich schämen, wenn man das Dschungelcamp guckt? Ganz klar: Nein.

Genauer betrachtet, ist das Dschungelcamp eigentlich nichts als eine Art Gesellschaftsspiel. Das Camp ein abgestecktes Spielfeld fast wie bei einem Brettspiel wie Halma oder Schach, die Kandidaten die Spielfiguren, klar zu unterscheiden, die Zicke, der Schönling, der Paradiesvogel … König, Dame, Läufer, Turm. Klare Spielregeln, eine Prüfung und eine Ereigniskarte (Schatzsuche) pro Tag, und einer fliegt raus. Der Zuschauer setzt auf seinen Favoriten, votet, bezieht Position, bewertet Charakter und Authentizität, und zieht seine Züge im Team mit beinahe dem ganzen Land.  Und die Kandidaten hat auch niemand gezwungen, im Gegenteil, viele Zuschauer würden nur zu gerne selbst im Camp sein – wenn man sie denn ließe.

Das Spiel ohne Grenzen lässt grüßen. Wer kennt das noch? Eine Spielshow in den 1960 und 70er. Das Figur-Grund-Verhältnis war damals noch umgedreht. Das Spiel stand im Vordergrund, die Schadenfreude im Hintergrund. Beim Dschungelcamp ist es umgekehrt, vom Prinzip aber nichts wirklich Neues. Ein Spiel eben.

Fiona muss gerade mal wieder baden gehen, in Schleim und Fischabfällen, geschieht ihr Recht, der blöden Zicke, harharhar …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.