Facebook – Te Ki o te Motu

Heute auf Facebook. Ich erfahre, dass Conny gebügelt hat aber bügeln hasst, was sich Rudi gerade gekocht hat (Chilli ohne Carne), welche Musik Judith heute hört, außerdem philosophische Beobachtungen von Marc, eine witzige Seite von Hardy, und mal wieder völlig belanglose Neuigkeiten von Frank. Ein ganz normaler Tag auf Facebook.

Wird Facebook unser Denken und Handeln verändern? Kaum.

Ist Facebook nicht eher wie der moderne Schulhof, oder Dorfplatz? Hier treffen sich Freunde, Nachbarn, Kollegen, oder eben Schulkameraden. Ganz real. Dass man nur sog. ‚virtuelle Freunde‘ hatte, das ist schon lange vorbei. Für viele findet hier das ganze Spektrum des ganz normalen sozialen Lebens statt, wo man Fotos zeigt, Musik austauscht, von Erlebnissen berichtet, sich persönlich inszeniert, es aber meist nur um ganz Alltägliches geht (s. Beispiele oben), vielleicht auch mal andere kennenlernt, oder wo man sich einfach nur zum Quatschen und zum Zeitvertreib trifft, jeder nach seinem Gusto. Auf jeden Fall hat man das Gefühl, mittendrin zu sein, im sozialen Leben und nicht alleine. Wie auf dem Schulhof eben, oder dem Dorfplatz.

Eine aktuelle INNCH Jugendstudie aus 2011 zeigte, dass es für viele 14 bis 19jährige ein kleines Drama ist, einmal keinen Zugang zu Facebook zu haben. Auch wenn die Community für Jugendliche heute eine sehr zentrale Rolle spielt, kann ich das auch als ‚digital immigrant‘ irgendwo nachvollziehen. Damals nach dem Abi, als alle Prüfungen vorbei waren, war es auch der Schulhof, der mir auf einmal fehlte. Dort fand damals einfach alles statt.

Facebook gibt uns den Schulhof oder den Dorfplatz zurück. Dass der Austausch auf facebook selbst nicht direkt face-to-face stattfindet, ist dabei nur ein anderer Modus. Dafür ist es face-to-book-to-face manchmal einfacher und bequemer (man muss keine CDs oder Papierfotos mit sich herumtragen), und – ganz entscheidend –  jederzeit und  jederort möglich (z.B. über das Smartphone). Meist ‚verlängert‘ oder ‚überbrückt‘ Facebook auch nur die realen Treffen.

Auch wenn heute ‚geliked‘ und ‚geshared‘ wird, am Ende sind dies die gleichen menschlichen, ‚archaischen‘ Strukturen, die auch, sagen wir, im Zusammenleben der Insulaner auf der polynesischen Insel Miti’aro herrschen. Dort gibt es einen Gemeindeplatz und ein Gemeindehaus, und da passiert im Prinzip das gleiche, nur ohne Internet, dafür unter Palmen – vor vielen Jahren war ich dort für einige Zeit bei ‚Tante Mi’i, eine der Ariki der Inseln, als einziger Europäer übrigens. Das war wirklich Facebook live.

Te Ki o te Motu – das Leben im Dorf, auf der Insel.

Jedenfalls konnte Facebook nur so erfolgreich werden, weil es solche archaischen Formen aufgreift. So wie das Smartphone, so wie der Musik-Download, so wie Online-Games, dazu vielleicht mehr in einem der nächsten Beiträge…

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