Apocalypso – mehr Spaß am Untergang

Gestern warnt George Soros noch vor dem Untergang der EU und die Konzerne rüsten sich vor dem drohendem Zerfall der Währungsunion. Heute schon wieder Meldungen über einen starken Aufschwung in Deutschland und, dass die deutsche Industrie inklusive Löhne wächst. Die morgige Schlagzeile – ich sehe es schon vor Augen – beschwört sicher wieder den Untergang, um übermorgen wiederum das positive Konsumklima zu loben.

Ja, was denn nun? Ein Schritt vor, zwei seitwärts, einer zurück, cha cha cha …

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es mit den volkswirtschaftlichen, gar weltwirtschaftlichen Prognosen so eine Sache ist. Das ist wie mit den langfristigen Wettervorhersagen, denn hieß es doch noch Mitte Januar 2012, dass diesen Winter kein Kälteeinbruch mehr zu erwarten sei. Gut, dass ich die dicke Winterjacke trotzdem noch nicht eingemottet hatte …Mit den Unwägsamkeiten von Wettervorhersagen lässt sich leben. Nur selten hat eine Wetterlage – und wenn nur kurzfristig – Auswirkungen auf die Existenz und das Wirtschaftsgeschehen. Tsunamis passieren ganz weit weg. Aber wie sieht es mit existenziell grundlegenden Prognosen zur zukünftig zu erwartenden Wirtschaftslage aus?

Sicher kennt das jeder. Man ist zu früh zur Konferenz erschienen, steht dort mit noch einem anderen early bird zwangsweise beisammen vor der Tür und überbrückt die drohende Peinlichkeit des Schweigens mit Smalltalk, am liebsten übers Wetter. Neuerdings kann man gerne noch ein paar Minuten früher erscheinen, denn ist nichts mehr übers Wetter zu sagen, lässt sich nahtlos das Thema Krise anschließen. Gewichen sind längst die Photos von entsetzt blickenden Börsianern nebst Untergangsartikeln in den Zeitungen. Heute regnet es und die Börse stürzt ab: Regen- und Rettungsschirm nicht vergessen! Morgen wieder Sonnenschein und ein Hoch an den Finanzmärkten. Griechenland liegt irgendwo neben Thailand, oder?

Ist einfach die Luft aus dem Schrecken? Ja, ja, kennen wir schon den Film, wurde schon 5 Mal wiederholt … Oder leben wir eine neue Gelassenheit im Angesicht eines nicht änderbaren Karmas? Vielleicht hält uns die Sensationslust auch fit, solange die Krise nicht an der eigenen Tür klopft, mit ihrem ein Schritt vor, zwei seitwärts, einer zurück, cha cha cha … Da ist selbst in Kleinhinterbergenkirchenhausen was los, wenn man das Radio anschaltet. Macht es vielleicht sogar heimlich Spaß, dass wir endlich nicht nur übers Wetter smalltalken können? Vielleicht haben wir uns sogar an die Sicherheit, dass jedem Ab ein Auf folgt und ja doch nichts passiert, schon so sehr gewöhnt. Das prickelnd aufregende Gefühl des Krisentanzes ist längst zum Entertainment geworden, solange es uns selbst nur als Zuschauer einer entfernt gedrehten Dokusoap und nicht existenziell betrifft.

Tanz den Apocalypso!

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