Bunte Welt

 

Eindrücke der Ausstellung “Black & White” im Kunstpalast Düsseldorf.
Lesezeit: 2 Minuten

Es gibt die selbstverständlichen Dinge im Leben, deren Bedeutung und Wirkung man erst erfährt, wenn sie fehlen oder wenn man sie bewusst weglässt. Farbe bzw. die Farbigkeit unserer Welt ist so ein Ding.

Am letzten Wochenende haben wir uns wieder Kultur gegeben und waren in der Ausstellung „Black & White“ im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Gezeigt wurde Malerei, Fotografie und Installationen aus allen Epochen, von alten Meistern bis zur Moderne. Nur alles ohne Farbe. Natürlich waren wir mal wieder erst 30 Minuten vor Schließung des Museums da, aber auch das reichte, um die eigentümliche Wirkung einer Welt ohne Farbe eindrucksvoll zu erfahren – und damit auch, wie sehr Farbe ein Realitäts-Macher, ein Lebendig-Macher ist. Fehlt sie, dann verschwinden Dinge und Menschen hinter einem staubigen Grauschleier der Stille und werden zugleich würdevoll zeitlos.

 

Gemälde wirken plastischer, räumlicher, fast schon hyper-real, aber dennoch entrückt, nicht ganz von dieser Welt, ein wenig wie stillgelegt oder versteinert. Das Highlight der Ausstellung ist jedoch eine begehbare Rauminstallation des belgischen Künstlers Hans op de Beeck (s. Fotos – das einzige, was man fotografieren durfte). Alle Figuren und Gegenstände sind sehr realistisch, Menschen, Gegenstände, Möbel, Bücher, aufgeklappte Computer, dazwischen Früchte oder angebrochene Milchflaschen, Cola-Dosen und mit Kippen gefüllte Aschenbecher. Über dem Sofa liegt eine Jacke, daneben schläft ein Hund. Alles in grau. Betritt man den Raum, dann spricht man automatisch leise und bewegt sich langsam und ehrfürchtig. Hier ist die Zeit selbst eingefroren, als hätte Meister Hora aus dem Roman “Momo” von Michael Ende persönlich die Uhren angehalten.

 

In einem anderen Raum wird man durch ein monochromatisches Licht selbst schwarz-weiß. Die Besucher gucken sich hier fasziniert gegenseitig an und gucken fasziniert an sich selbst herunter. Das erinnerte mich ein wenig an die Verfilmung von Stanislav Lems Futurologischem Kongress, in der reale Menschen zu Cartoons werden. Ganz in schwarz-weiß wird man zur Kunstfigur, zum „grauen Herren“ und ist trotzdem noch lebendig (oder doch nicht?).

Aber guckt es euch doch selbst an:
https://www.smkp.de/black&white/
Die Ausstellung läuft noch bis zum 15.07.2018

(Fotos: Anton Heimann)

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